FORMAT Asset Management Vermögensverwaltung in Hamburg Bulle gefangen in Bullenfalle

„Bullenfalle“ oder „Short Squeeze“ oder sogar die Kombination davon?

Wer sich schon länger mit der Kursentwicklung an Wertpapiermärkten beschäftigt, der kennt die Indikatorfunktion von Aktienkursen. An der Börse werden vor allem Erwartungen gehandelt. Die Kurseinbrüche der letzten 3 Wochen zeigen somit ein tiefes Misstrauen in die zukünftige Wirtschaftsentwicklung an – nun insbesondere in den westlichen Märkten Europa und den USA. In Deutschland wurde heute der endgültige IFO-Geschäftsklimaindex veröffentlicht.  

„Die von der Corona-Krise ausgelöste Rezessionsangst in deutschen Unternehmen ist laut Ifo-Institut noch größer als gedacht. Der am Mittwoch veröffentlichte endgültige Geschäftsklimaindex für März fiel auf 86,1 Punkte von 96 Zählern im Februar. 

„Dies ist der stärkste jemals gemessene Rückgang im wiedervereinigten Deutschland und der niedrigste Wert seit Juli 2009“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest zu den aktualisierten Daten. „Die deutsche Wirtschaft steht unter Schock.“ Betrachtet man die Erwartungskomponente, fällt hier der extreme Einbruch von 93,2 auf 82 besonders auf. Daraus lässt sich folgern, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020 um 5 bis 20 Prozent einbrechen könnte, abhängig von der Dauer des sog. „Shutdowns“.

In den vergangenen Jahren konnten wir alle von den Vorteilen der Globalisierung zehren: Durch den recht freien Warenaustausch blühte der Welthandel. Deutschland konnte seine Maschinen in alle Welt verkaufen. Im Gegenzug erhielten wir High Tech aus Asien oder günstige Textilwaren. Günstige Zulieferer wurden in der ganzen Welt rekrutiert. Der steigende Wohlstand dort führte zur Konsumsteigerung und Absatz von westlichen Konsumartikeln in Asien oder Afrika. Der Tourismus verzeichnete hohe Wachstumsraten auf dem gesamten Erdball in alle Richtungen. Doch nun hat das Corona Virus und dessen verzweifelte Bekämpfung durch die Regierungen uns die Kehrseite der Globalisierung vor Augen geführt. Ein Textilingenieur, der in China nicht mehr arbeiten und Geld verdienen kann, weil er sich unter Hausarrest befindet, wird als Käufer für einen teuren AUDI in den nächsten Monaten sicherlich ausfallen. Der Produktionsausfall bei Zulieferern in China hat zudem schon den Produktionsfluss in Europa bei den Autoherstellern behindert. Nun kann man sich fragen, welches Problem zuerst schlagend wurde: Die mangelnde Fähigkeit der Hersteller, zu produzieren oder das Wegbrechen der Absatzmärkte? Kurzum: Es gibt derzeit offenbar keine Beschäftigung für zigtausende Arbeitnehmer in Deutschland und Europa, die im Automobilsektor tätig sind. Daraus folgt immenser Kaufkraftverlust, Konsumverzicht, Warten auf günstigere Preise… Deflation ante portas? Dies schließen wir für Deutschland gar nicht aus – zumindest in einer Übergangsphase, bis uns eine ungebändigte Inflation überrennen wird. Dazu mehr in einem anderen Beitrag aus unserem Hause.   

Führende Aktienindices verloren in den vergangenen Wochen bis zu rund 40% an Wert. Gestern und heute sorgten dann Kurssprünge nach oben für Furore. Viele Marktteilnehmer trauten ihren Augen nicht. So zeigten die Kurstafeln gestern Kurssteigerungen für z.B. Daimler mit +26%, Münchener Rück +19,5%, Volkswagen +18,7% oder Allianz mit +15%. In einem wiederum sehr bewegten Markt legten viele Standardwerte heute nochmals zwischen +3 und +7% nach. Ist damit jetzt der Boden der Abwärtsbewegung gefunden? Wir meinen: Eindeutig NEIN! Die Kursbewegung der letzten 48h hat mit dem Begriff „Investition“ u. E. nichts zu tun. Wir vermuten vielmehr, dass genau einer jener Punkte eintrat, die wir als Kritik am stark wachsenden Markt passiver Produkte immer vorbringen. Diese Indexfonds z.B. oder Fondsmanager, die eng einer Benchmark folgen, wirken grundsätzlich als Trendverstärker. In einem fallenden Markt muss verkauft werden, in einem steigenden entsprechend gekauft werden. Im Ergebnis könnte daraus in diesem Fall die oben zitierte „Bullenfalle“ werden. Das ist dann der Fall, wenn Anleger (oder hier besser: Spekulanten) von steigenden Kursen in den Markt gezogen und zu weiteren Käufen verleitet werden, obwohl sich fundamental am wirtschaftlichen Umfeld rein gar nichts verbessert hat. Dreht der Markt dann nach kurzer Zeit wieder in die Gegenrichtung, wird häufig mit Verlust verkauft. Ein bekannter, gern begangener Anfängerfehler an der Börse. Und der zweite Begriff aus der Überschrift? Von einem „Short Squeeze“ spricht man, wenn i.d.R. relativ kurzfristig agierende Marktteilnehmer ihre Shortpositionen übereilt schließen, um ihre verkauften Papiere zurück zu kaufen. Wetten Spekulanten auf fallende Kurse, leihen sich diese Wertpapiere, um sie sofort an der Börse zu verkaufen. Während dieser Periode sind diese Marktteilnehmer „short“. Sie haben keinen Besitz mehr an den Papieren, die sie sich geliehen haben. Läuft nun der Markt entgegen ihrer Erwartung nach oben, geraten sie in eine Verlustposition, denn der Rückkauf der Papiere wird nun teurer als der ursprüngliche Verkauf. Zudem muss an den Verleiher der Wertpapiere auch noch eine Leihgebühr gezahlt werden. Um die Verluste möglichst zu begrenzen, kaufen diese Marktteilnehmer ihre geliehenen Aktien schnellstmöglich zurück. Auch dieser Effekt kann sich sehr schnell selbst verstärken. Shortpositionen werden auch sehr häufig zur Absicherung von Beständen gegen fallende Kurse eingegangen. Das ist ein ganz normaler Vorgang. Bei steigendem Kursniveau wird durch die Absicherung ein teils erheblicher Anteil der positiven Performance aufgezehrt. Um das zu vermeiden, handeln einige Marktteilnehmer sehr schnell und sorgen so für noch mehr Schwung in der Bewegung. Wegen der exorbitanten Höhe der Kursbewegungen gestern und heute in Standardwerten, gehen wir davon aus, dass beide kursbeeinflussende Phänomene hierfür verantwortlich waren. Schließlich ändert sich der Unternehmenswert der Allianz über Nacht nicht um ein knappes Fünftel. Es gab so ein Chartmuster schon um den 1. März herum im DAX zu beobachten. Nach zwei Handelstagen mit steigenden Kursen, setzte sich der Kursrutsch wieder beschleunigt fort. Auch wenn an der Börse Erwartungen gehandelt werden, wird diese Krise sicher nicht innerhalb von 48h beendet.

Wir erwarten noch einige negative Überraschungen in diesem Jahr im Zusammenhang mit der Corona Krise. Daher haben wir uns jetzt besonders „wetterfest“ in unseren Vermögensverwaltungststrategien aufgestellt. Nein, wir haben uns nicht anstecken lassen und weder gestern noch heute übereilt unsere Sicherungspositionen aufgelöst. Im Gegenteil: Wir erwarten weiter, dass unsere Outperformance gegenüber bekannten Aktienindices sowie Mischfonds von Wettbewerbern wieder ausgebaut wird – und zwar in einem fallenden Gesamtmarkt. Das bedeutet natürlich auch, dass es weiter interessante Nischen gibt, in denen wir positive Performance im Aktienbereich, in Edelmetallen oder sogar im Rentenbereich erwarten. Da bleiben wir selbstverständlich engagiert! Ein Beispiel: Goldminen. Der steigende Goldpreis in Kombination mit einem extrem gefallenen Rohölpreis kommt einem echten Eldorado für Minenbetreiber im sog. „Open Pit Mining“ gleich. Sinkende Produktionskosten und steigende Verkaufspreise. Das ist eine Marktentwicklung, von der eigentlich jeder Unternehmer träumt. Wir sind für unsere Mandanten dabei.   

Bleiben Sie gesund, während wir weiter für Sie die Märkte analysieren!

Ihr Team der FORMAT Asset Management

Factsheet Vermögensverwaltungsmandat FORMAT AM Defensive per 31.12.2019

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Factsheet Vermögensverwaltungsmandat FORMAT AM Balanced per 31.12.2019

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